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Die Geschichte des Luitpoldturms

Autor: Dr. Stephan Neuberger

In napoleonischer Zeit und vor allem danach in bayerischer Zeit etwa ab 1819 wurden auf einigen Bergen im Pfälzerwald Vermessungstürme errichtet, die von Wanderern gern als Aussichtspunkte genutzt wurden. Als die Türme mit der Zeit verfielen oder wegen Unfallgefahr gesperrt wurden, empfand man das allgemein als Verlust und es entstanden mehrfach Initiativen zum Bau von Aussichtstürmen. Erste Pläne zur Errichtung eines Aussichtsturms auf dem Weißenberg gab es schon um 1850. Die Pläne scheiterten jedoch mehrfach, weil niemand wusste, wie man die Kosten aufbringen könnte.

Fritz Claus

Es wäre wohl nie zum Bau eines Turms gekommen, hätte es nicht einen Mann gegeben, der wie kein zweiter verliebt war in die Pfalz und den Pfälzerwald, ein begeisterter Pfälzer. Der Mann war Pfarrer Martin Jäger, der unter dem Pseudonym Fritz Claus Geschichten, Gedichte und Lieder schrieb, die sich mit der Pfalz und insbesondere dem Pfälzerwald befassten.

Fritz Claus wurde am 05. August 1853 in Martinshöhe geboren. Nach dem frühen Tod seiner Eltern 1861 lebte er drei Jahre in Münchweiler bei seinem Großvater. 1864 kam er in die Obhut seines Onkel Martin Wörrer, der damals Pfarrer in Ramberg war.

Als Priester war Frist Claus in Trulben, Frankenthal, Landau, Kirchenmohr und ab 1893 als Stadtpfarrer in Zweibrücken tätig. 1909 wurde er nach Edenkoben versetzt, wo er am 06. Februar 1923 starb.

Es war eine Sternstunde für den Pfälzerwald, als sich im Jahr 1896 Fritz Claus entschloss, einen längeren Herbsturlaub auf dem Hermersberger Hof zu verbringen. Diesem Herbsturlaub verdankt die Pfalz nicht nur den Luitpoldsturm, sondern der große Wald mitten in der Pfalz auch seinen Namen. Bis dahin gab es keinen einheitlichen Namen für den Wald.  In diesem Herbsturlaub gewann Fritz Claus die Überzeugung, dass es wichtig ist, dem Wald einen einprägsamen und zugkräftigen Namen zu geben, wie ihn auch andere große Wälder in Deutschland haben. Seitdem setzte er sich konsequent für den Gebrauch des Namens Pfälzerwald ein, verwendete ihn in seinen Veröffentlichungen und verhalf damit dem Namen Pfälzerwald zum Durchbruch. Zum Dank dafür setzte man ihm noch zu Lebzeiten im Jahr 1906 bei Leimen ein Denkmal.

Für die Idee, einen Turm auf dem Weißenberg zu bauen, begeisterte er sich, als ihn der Forstarbeiter Schuppert darauf aufmerksam machte, dass auf dem Weißenberg an einer hohen Eiche eine Leiter angebracht ist, von der aus man eine wunderbare Aussicht hat. Fritz Claus bestieg die Eiche und seine Begeisterung kannte keine Grenzen. Bei der späteren Einweihung des Turmes hielt er die Festrede und schildert dieses Erlebnis wie folgt:  

„Und – (freilich mit großer Mühe und Anstrengung) hinauf bin ich geklettert auf der mächtigen Leiter, die da festgelehnt steht an der gewaltigen Eiche. Hinauf mich windend von Sprosse zu Sprosse, und dann von Ast zu Ast, immer höher hinauf, bis fast zum Gipfel. – Da stand ich nun, mich an der Eiche festhaltend, und schaute mit stummem Entzücken festgebannt vor Überraschung über den großartigen, einzig schönen Ausblick, der sich hier dem Auge bietet. Nein, das hätte ich nie und nimmer hier erwartet. Zweimal war ich in dieser Ferie im Karlstal, zweimal auch auf Johanniskreuz, am Eschkopf und auf Taubenstuhl. Ich habe den Schänzelturm und den Ludwigsturm bestiegen mit ihren herrlichen Fernsichten. Ich habe von der Rietburg und vom Annaberge hinausgeschaut in die wundervolle Rheinebene. Ich habe den Ausblick genossen vom Trifels; früher schon war ich auf der Wegelnburg, Landeck, Lindelbrunn und den Dahner Schlössern; habe bei klarem Himmel ... von der Wegelnburg ... Donnersberg Ausschau gehalten ... Wohl zehnmal war ich in dieser Ferie auf Gräfenstein. Wiederholt stand ich auf dem Rotenstein bei Kaltenbach und auf dem Ruppertsfelsen bei Ruppertsweiler. ... Ich habe den Ringelsberg bei Leimen bestiegen mit seinem lieblichen überraschenden Ausblick! ... Überall wurde mein Herz erfreut von unserer schönen Pfälzer Heimat – zumal von der Schönheit unseres Pfälzerwaldes – aber der Ausblich hoch oben von der Eiche auf dem Gipfel des Weißenberges, der Ausblick übertrifft alles an wunderbarem Reiz und Großartigkeit. Hier überschaut man den ganzen Pfälzerwald, die ganze Pfalz von Donnersberg bis zum Rhein. Man schaut den Obenwald und Schwarzwald, Kalmit, Schänzelturm, Scharfeneck, - die Rheinebene, Trifels, Aneboß, Rehberg, Lindelbrunn, die Dahner Schlösser, Wegelnburg, die Wasgauberge Pirmasens, die Hackmesserseite und die Sickinger Höhe, ein wahrhaft großartiges, wunderbares Bild. Der größte Reiz dieses Bildes aber ruht in der unmittelbaren Nähe so vieler Burgen und Ruinen, die das Auge schaut, von denen der Gräfenstein tief unten gerade vor dem Auge des Schauenden liegt.“

Der Pfälzerwaldverein

Als im Jahr 1902 von jungen Leuten in Ludwigshafen der Pfälzerwald Verein gegründet wurde und auch Fritz Claus Mitglied des Vereins wurde, gelang es ihm, den Verein für die Idee eines Turmbaus auf dem Weißenberg zu begeistern. Der Pfälzerwald Verein fasste im Jahr 1903 einen entsprechenden Beschluss. Fritz Claus und Karl-Albrecht von Ritter, Vorsitzender des Hauptvereins PWV, warben unermüdlich für den Bau und sammelten Spenden. Fritz Claus gründete selbst einen Spendenfond. Der begabte Architekt Ludwig Ullmann, ein Schwiegersohn des Vereinsvorsitzenden Karl-Albrecht von Ritter, erstellte einen Entwurf. Ihm hat der Turm sein herrliches Erscheinungsbild zu verdanken. Man schätzte die Kosten auf 16.000,00 Mark. Als man bis zum Jahr 1908 10.000,00 Mark gesammelt hatte, konnte am 19.07.1908 mit dem Bau begonnen werden. Schon am 26.09.1909 konnte der Turm mit einem großen Volksfest eingeweiht werden, bei dem Fritz Claus die bereits erwähnte Fest¬rede hielt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 23.000,00 Mark.

Namensgeber Prinzregent Luitpold

Auf Vorschlag von Karl-Albrecht von Ritter, der leitender Forstbeamter in der Pfalz war, hat man den Turm dem bayerischen Prinzregenten Luitpold gewidmet, der gern seine Zustimmung gab.

Prinzregent Luitpold von Bayern, geb. am 12.03.1821, gestorben am 12.12.1912, war ein Sohn König Ludwigs I von Bayern. Nachfolger König Ludwigs war Maximilian II, dem sein Sohn Ludwig II folgte, also ein Neffe Luitpolds. Auf Betreiben des Kabinetts musste Prinz Luitpold am 10.06.1896 im Alter von 65 Jahren als nächster Verwandter die Regentschaft für den angeblich geisteskranken König Ludwig II antreten. Als Ludwig drei Tage später auf unge¬klärte Weise ertrank, war die Stimmung im Volk noch gegen Luitpold gerichtet. das änderte sich jedoch schnell. Binnen kurzer Zeit gelang es ihm, die Herzen seines Vol¬kes zu gewinnen. Der volkstümliche Monarch, der lieber in Lederhosen und bayerischer Tracht ging, statt in königlichen Kleidern, wurde beliebt wie kein anderer.

Renovierung 2000 – 2001:

Als Ende der 1990-iger Jahre der Turm viele bauliche Mängel zeigte und sogar die Schließung des Turms drohte, gelang es Klaus Albert, Forstmeister in Merzalben und Hinterweidenthal, rund eine halbe Million DM an Spenden zu sammeln und damit den Turm umfassend zu renovieren. Tatkräftig wirkte Prof. Dr. Lang aus Hassloch mit, der sich seit Jahren mit dem Turm befasst und der ermittelt hat, dass vom Turm aus über 400 unterscheidbare, namentlich bekannte Zielpunkte je nach Wetter zu sehen sind. Er hatte die Idee, zwölf Orientierungsplaketten mit Ziellinien und Angabe der Entfernung auf der Brüstung der Aussichtsplattform anzubringen.

Der 610 m hohen Weißenberg, auf dem der Turm steht, gehört zur Gemarkung Merzalben. Er ist verpachtet an die Gemeinde Merzalben, die es als Gegenleistung übernommen hat, den Turm und das Gelände in Ordnung zu halten.

Der Luitpoldturmverein

Im Jahr 2007 wurde auf dem Hermersbergerhof der Luitpoldturmverein gegründet, der es übernommen hat, sich um die Erhaltung des Turmes zu kümmern und den Turm als einen der schönsten - wenn nicht den schönsten - Aussichtspunkt in der Pfalz bekannt zu machen.

Entfernungen

Die 12 Orientierungsplaketten auf dem Turm mit Ziellinien und Angabe der Entfernung (ausgewählt aus über 400 Zielen, die vom Turm aus nachweisbar zu sehen sind):

 Leimen   5 km
 Königsberg     40 km
 Donnersberg  42 km
 Drachenfels  25 km
 Kalmit  20 km
 Bellheim  34 km
 Trifels  13 km
 Hornisgrinde  77 km
 Wegelnburg  21 km
 Hohe Donne (Donon) 96 km
 Pirmasens  16 km
 Bexbach  44 km